MA Symposium Zürich


Semester FS10
Dates

Monday, April 26  - Wednesday, April 28, 2010

ECTS 3
Kunsthochschule
Universität / Haute Ecole
ZHdK
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Content description

Symposium - Medium und Materialität

Zeitgenössische Künstler beleben keine isolierten Sphären der hohen Kunst. Künstler drangen schon immer tief in die Ströme der Zeichen, Bedürfnisse und sozialen Gegebenheiten ihrer Zeit. Versteht man Medien als Mittel der Weltaneignung, als kulturell kodierte Tools menschlichen Erlebens lassen sich gerade in Gegenüberstellung mit der zeitgenössischen Kunst einige äußerst interessante Verbindungen benennen.

Unsere Alltagswirklichkeit selbst kann im Blickwinkel eines solchen Medienverständnisses als dynamisch, als ständigen (künstlerischen) Modifikationen unterworfen, begriffen werden.

Mit dieser Konzeption des Medialen verwoben, jedoch auch als strikter Kontrapunkt dieser Beschreibungen, kann der Begriff der Materialität verstanden werden. Einerseits könnte man als materiell erklären, was sinnlich und haptisch erfahrbar ist und uns damit unmittelbar (physikalisch) gegenüber tritt. Andererseits kann der Materiebegriff, wie etwa Theoretiker wie Henri Bergson, oder Ernst Bloch nahe-legen, als Möglichkeitsgefüge verstanden werden, in welchen der Mensch sich selbst in seiner Umwelt situiert und reflektiert. Folgt man einer solchen Argumentation wäre erneut von medialen Weltbezügen zu sprechen, welche der Mensch in seiner „materiellen“ Umwelt manifestiert.

Ziel des Symposiums ist es unterschiedliche Begrifflichkeiten der Medialität und Materialität im Spannungsfeld der Praxis und Theorie der Künste zu beobachten, zu beschreiben und kritisch zu diskutieren.

 

Beispiele für geplante Themenfelder des Symposiums:

 

A) Medienkunst / Materialität der Künste

Die Medienkunst wurde schon mehrfach zu Grabe getragen. Davon unbenommen ist natürlich zu konstatieren, dass jede Kunst in irgend einer Weise Medienkunst ist. Inwiefern verändert Kunst mit „Medien“ seine „Objekte“, oder besitzt Kunst eine eigene Materialität, welche in Kunstwerken eingeschrieben wird? In welcher Form kann heute noch von Medienkunst gesprochen werden?

 

B) Konsumkultur / pop-kulturelle Lebenswelten

Die Objekte der Konsumkultur können nicht allein auf ihren objektiven Wert reduziert werden. Waren besitzen ein spezielles Image. Sie werden heutzutage eben auch gekauft und benutzt, weil der Käufer seine Identität erweitern und / oder vermitteln will. Der eigentliche Nutzwert ist hier meist sekundär. Kunstwerke sind im weitesten Sinne Teil der Konsumkultur. Künstler stehen gängiger Weise vor der problematischen Aufgabe einerseits einem Markt entsprechen zu müssen, dabei aber anderseits Widerstand gegen Einflüsse und Eingriffe „banaler“ Marktprozesse dokumentieren zu sollen. Inwieweit tragen zeitgenössische Kunstwerke den Dynamismen der Konsumkultur Rechnung?

 

 

C) Präsenz / Exposition / Performance

Der Künstler Piero Manzoni versinnbildlichte augenzwinkernd schon in den 60er Jahren mit seiner bekannten Arbeit „Merda d'artista“ die quasi alchemistische Fähigkeit des Künstlers selbst aus Exkrementen Gold zu machen. Man könnte hier von dem Vermögen sprechen aus dem „Nichts“ Werte zu erzeugen. Besonders aktuelle Installationskunst scheint diese produktive künstlerische „Geste“ auf eine neue Ebene zu heben. In meist handwerklich unfertigen und doch gezielt arrangierten, zum Teil ganze Räume „überwuchernden“ Ensembles, werden hier extrem verdichtete „Gefüge“ erzeugt. Können Künstler Objekte in performativer Aneignung verändern und / oder umwerten? Braucht die zeitgenössische Kunst das Objekt überhaupt noch, oder steht in seinem Zentrum inzwischen eine vielfach aufgeladene schöpferische Geste?

 

Remarks